- Dentalhygienikerinnen sind knapp, weil der Weg zur DH über die ZFA-Ausbildung, die ZMP und eine lange Aufstiegsfortbildung oder ein Studium führt.
- Fast alle DH sind fest angestellt. Stellenanzeigen erreichen deshalb nur einen kleinen Teil der möglichen Kandidatinnen.
- Praxen haben drei Wege zu einer DH: einen eigenen Bewerberpool über Social Recruiting, die Direktvermittlung und ein durchgängiges Personalmarketing.
- Ein eigenes Behandlungszimmer, eine feste Terminstruktur, eine Vergütung nach Qualifikation und Fortbildung überzeugen DH beim Wechsel.
Eine Dentalhygienikerin finden Zahnarztpraxen selten über eine Stellenanzeige. Die meisten DH sind fest angestellt, in ihrer Praxis fest eingeplant und schauen nicht in Jobbörsen. Gute Chancen haben Praxen, die wechselbereite DH in ihrer Region direkt ansprechen, die Bewerbung einfach machen und einen gut organisierten Prophylaxe-Arbeitsplatz bieten.
Als Gründer von Rankingdocs habe ich viele Zahnarztpraxen bei der Suche nach Prophylaxepersonal begleitet, und die DH ist dabei die schwierigste Stelle. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen dazu, warum das so ist, was DH von einem neuen Arbeitgeber erwarten und wie Sie trotzdem eine für Ihre Praxis gewinnen.
Warum Dentalhygienikerinnen so knapp sind
Die Dentalhygienikerin ist die höchste Qualifikation im zahnmedizinischen Assistenzbereich. Entsprechend lang ist der Weg dorthin. Am Anfang steht die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Danach folgt in der Regel die Fortbildung zur Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin (ZMP) und oft einige Jahre Berufserfahrung.
Erst dann beginnt die eigentliche DH-Qualifikation. Nach einer Übersicht auf ZWP online umfasst die Aufstiegsfortbildung der Zahnärztekammern rund 800 bis 950 Stunden und dauert 6 bis 12 Monate. Angeboten wird sie nur von einzelnen Kammern. Daneben gibt es seit 2014 Bachelorstudiengänge in Dentalhygiene, für die ebenfalls eine ZFA-Ausbildung vorausgesetzt wird, und den Abschluss Bachelor Professional DH.
Für die Teilnehmerinnen bedeutet das viel Zeit, Kosten und Lernaufwand neben dem Beruf. Entsprechend wenige ZFA gehen diesen Weg bis zum Ende. Wer es geschafft hat, ist in der eigenen Praxis meist fest eingeplant, und die Praxis lässt sie ungern gehen.
Warum die Nachfrage nach DH steigt
Gleichzeitig wächst der Bedarf. Nach der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6), die IDZ, KZBV und BZÄK im März 2025 vorgestellt haben, leiden in Deutschland rund 14 Millionen Menschen an einer schweren Parodontalerkrankung.
Seit Juli 2021 regelt die PAR-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses die systematische Parodontitistherapie für gesetzlich Versicherte neu. Dazu gehört eine unterstützende Parodontitistherapie (UPT) über einen Zeitraum von in der Regel zwei Jahren. Für Praxen entsteht damit eine planbare Behandlungsstrecke mit vielen wiederkehrenden Terminen, die sich gut an qualifiziertes Prophylaxepersonal delegieren lassen.
Welche Leistungen delegiert werden, entscheidet der Zahnarzt. KZBV, BZÄK und die Fachgesellschaften haben 2021 klargestellt, dass etwa bei der antiinfektiösen Therapie für jeden Patienten individuell über die Delegation an qualifiziertes Personal zu entscheiden ist. Eine DH bringt für diese Aufgaben die umfassendste Qualifikation mit. Praxen mit einer DH können Prophylaxe und Parodontitistherapie deshalb verlässlicher anbieten und den Zahnarzt spürbar entlasten.
Was Dentalhygienikerinnen von einem neuen Arbeitgeber erwarten
Eine DH hat viel in ihre Qualifikation investiert und erwartet, dass die Praxis das anerkennt. In den Gesprächen mit Kandidatinnen höre ich vor allem diese Punkte:
- Eigenständiges Arbeiten: Ein eigenes Behandlungszimmer und ein eigener Terminplan mit realistischen Zeitfenstern pro Patient.
- Klare Zuständigkeit: Die DH arbeitet in der Prophylaxe und Parodontitistherapie und springt nicht regelmäßig am Stuhl oder am Empfang ein.
- Vergütung nach Qualifikation: Nach dem Vergütungstarifvertrag gehört die DH zur höchsten Tätigkeitsgruppe. Einzelheiten finden Sie im Beitrag zum ZFA-Gehalt.
- Fortbildung: Zuschüsse und Freistellung für Kurse, etwa in Parodontologie oder Periimplantitis-Prophylaxe.
- Ausstattung und Abläufe: Moderne Geräte, ein funktionierendes Recall-System und eine Abrechnung, die die Leistungen der DH korrekt erfasst.
Wer diese Punkte schon in der Anzeige konkret beschreibt, hebt sich von Praxen ab, die nur „Verstärkung für unser Prophylaxe-Team“ suchen.
Diese Methoden reichen bei DH nicht mehr aus
Viele Praxen schalten eine Anzeige in einer Jobbörse oder fragen bei der Kammer nach. Damit erreichen sie die wenigen DH, die gerade aktiv suchen. Um diese Kandidatinnen bewerben sich zahlreiche Praxen gleichzeitig.
Wie klein der Markt ist, sehe ich auch in unseren eigenen Kampagnen. Für ZMP- und DH-Stellen kamen dort im Median 5 Bewerbungen pro Kampagne zusammen, wie unsere Auswertung Bewerberdaten 2026 zeigt. Bei so wenigen Kandidatinnen zählt jede einzelne Bewerbung, und keine davon sollte durch ein langsames Verfahren verloren gehen.
Drei Wege zu einer neuen Dentalhygienikerin
In unserer Arbeit mit Zahnarztpraxen haben sich drei Wege bewährt, die sich je nach Ausgangslage eignen und gut kombinieren lassen.
- Eigener Bewerberpool: Ihre Praxis spricht fortlaufend DH und ZMP aus der Region an, auch fest angestellte, die keine Stellenanzeigen lesen. Die Bewerberinnen werden vorqualifiziert und lassen sich später erneut ansprechen, wenn eine Stelle frei wird. Social Recruiting ist der wichtigste Kanal dafür.
- Direktvermittlung: Bei akutem Bedarf, etwa nach einer Kündigung, erhalten Sie Kandidatenvorschläge aus unserem bundesweiten Kandidaten-Pool. Das ist der schnellste Weg.
- Personalmarketing aus einer Hand: Arbeitgeber-Imagefilm, Social Media, Employer Branding und Karriereseite zeigen Ihre Praxis als Arbeitgeber und stützen die beiden anderen Wege.
Was in eine Stellenanzeige für eine DH gehört
Eine DH liest eine Anzeige genau und prüft, ob die Stelle ihrer Qualifikation entspricht. Diese Angaben sollten deshalb in jeder Anzeige stehen:
- die Aufgaben, also Prophylaxe, Parodontitistherapie und UPT, und welche Leistungen an die DH delegiert werden
- die Zeitfenster pro Patient und die Zahl der Behandlungstage
- die Ausstattung des Prophylaxezimmers und die Unterstützung durch eine Assistenz
- die Eingruppierung oder ein Gehaltsrahmen und die Zuschüsse für Fortbildungen
- die Arbeitszeiten und die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten
Formulieren Sie die Anzeige aus Sicht der Bewerberin. Ein Satz wie „Sie planen Ihre Prophylaxe- und UPT-Termine selbst und haben dafür ein eigenes Zimmer mit fester Assistenz“ sagt mehr als eine Liste mit Anforderungen. Je konkreter die Anzeige, desto passender die Bewerbungen.
Social Recruiting für Dentalhygienikerinnen
Beim Social Recruiting erscheinen Bilder und Videos Ihrer Praxis als Anzeigen auf Instagram und Facebook. Die Anzeigen erreichen DH und ZMP in Ihrer Region, die aktuell nicht suchen, sich einen Wechsel aber vorstellen können. Bei einer so kleinen Berufsgruppe ist diese Reichweite entscheidend.
Die Anzeige sollte zeigen, wie die Prophylaxe in Ihrer Praxis organisiert ist. Ein kurzes Video aus dem Prophylaxezimmer, ein Satz der Praxisinhaberin zur Rolle der DH und konkrete Angaben zu Zeitfenstern und Ausstattung wirken stärker als allgemeine Versprechen. Wie das für die ZMP funktioniert, beschreiben wir im Beitrag ZMP finden.
Eine einfache Bewerbung und eine schnelle Rückmeldung
Eine DH bewirbt sich aus einer festen Stelle heraus und vergleicht in Ruhe. Die Bewerbung sollte deshalb in wenigen Minuten am Smartphone möglich sein, ohne Anschreiben und ohne Lebenslauf. Einige kurze Fragen zu Qualifikation, Berufserfahrung und Wünschen reichen für eine erste Einschätzung.
Melden Sie sich persönlich und innerhalb von 2 Tagen. Bieten Sie ein unverbindliches Kennenlernen an, gern außerhalb der Arbeitszeit, und sichern Sie Vertraulichkeit gegenüber dem aktuellen Arbeitgeber zu. Ein Probetag folgt erst, wenn beide Seiten Interesse haben.
Die eigene ZFA zur DH fortbilden
Neben der Suche nach einer ausgebildeten DH lohnt sich der Blick ins eigene Team. Eine motivierte ZFA mit ZMP-Abschluss kann sich mit Unterstützung der Praxis zur DH fortbilden. Die Praxis übernimmt Kosten und Freistellung ganz oder teilweise und regelt die Bindung danach in einer Fortbildungsvereinbarung.
Einen akuten Engpass lösen Sie damit nicht. Dafür haben Sie in einigen Jahren eine DH, die Ihre Patienten und Abläufe kennt. Ich empfehle Praxen deshalb oft, kurzfristig eine erfahrene ZMP oder DH zu gewinnen und parallel eine Mitarbeiterin aus dem eigenen Team zu fördern. Wie Sie gezielt Prophylaxepersonal gewinnen, lesen Sie im Beitrag Prophylaxeassistenz finden.
Dentalhygienikerinnen langfristig binden
Eine gewonnene DH sollte lange bleiben. Klare Verantwortung für den Prophylaxe- und PAR-Bereich, regelmäßige Gespräche über Auslastung und Abläufe und eine Gehaltsentwicklung, die mit der Erfahrung mitwächst, sind die wichtigsten Hebel. Viele DH schätzen es außerdem, wenn sie neue ZMP und ZFA im Team anleiten dürfen. Weitere Maßnahmen finden Sie im Beitrag zur Mitarbeiterbindung in der Zahnarztpraxis.
So unterstützen wir Sie
Mit Rankingdocs arbeiten wir seit 2018 ausschließlich für das Gesundheitswesen. Wir bauen für Ihre Praxis einen eigenen Bewerberpool mit DH und ZMP aus Ihrer Region auf, vermitteln bei akutem Bedarf Kandidatinnen aus unserem bundesweiten Kandidaten-Pool und übernehmen das Personalmarketing vom Imagefilm bis zur Karriereseite. Die ersten qualifizierten Bewerbungen kommen in der Regel 10 bis 14 Tage nach Projektstart. Mit unserer Einstellungsgarantie vereinbaren wir eine Zahl an Einstellungen in einer festen Laufzeit. Wird sie nicht erreicht, arbeiten wir honorarfrei weiter.
Einzelheiten finden Sie auf der Seite zur Mitarbeitergewinnung. Wenn Sie eine Dentalhygienikerin suchen, besprechen wir in einer kostenlosen Erstberatung, wie wir für Ihre Praxis vorgehen würden.
Häufige Fragen
Warum ist es so schwer, eine Dentalhygienikerin zu finden?
Der Weg zur DH ist lang. Er führt über die Ausbildung zur ZFA und die Fortbildung zur ZMP zu einer Aufstiegsfortbildung mit rund 800 bis 950 Stunden oder zu einem Bachelorstudium. Entsprechend wenige DH gibt es, und die meisten sind fest angestellt.
Welche Aufgaben darf eine Dentalhygienikerin übernehmen?
Die DH übernimmt delegierbare Leistungen in Prophylaxe und Parodontitistherapie, zum Beispiel professionelle Zahnreinigung, Mundhygieneunterweisung und Leistungen der unterstützenden Parodontitistherapie. Die Verantwortung und die Entscheidung über die Delegation liegen beim Zahnarzt.
Was verdient eine Dentalhygienikerin?
Nach dem Vergütungstarifvertrag für ZFA sind Dentalhygienikerinnen in Tätigkeitsgruppe V eingruppiert, der höchsten Gruppe. Viele Praxen zahlen erfahrenen DH darüber hinaus Zulagen. Die aktuellen Werte finden Sie im Beitrag zum ZFA-Gehalt.
Wie erreichen Praxen Dentalhygienikerinnen, die nicht aktiv suchen?
Über Social Recruiting. Anzeigen mit Bildern und Videos der Praxis erscheinen auf Instagram und Facebook und erreichen auch fest angestellte DH, die sich einen Wechsel grundsätzlich vorstellen können.
Lohnt es sich, eine eigene ZFA zur DH fortzubilden?
Für viele Praxen ja. Die Fortbildung dauert, und die Praxis sollte Kosten und Freistellung vertraglich regeln. Dafür gewinnt sie eine DH, die Team und Patienten bereits kennt. Bis dahin hilft die Suche über Recruiting und Direktvermittlung.

Sebastian Weidner ist Gründer und Geschäftsführer von Rankingdocs. Seit 2018 unterstützt er mit seinem Team Praxen, Kliniken und Unternehmen im Gesundheitswesen bei der Mitarbeiter- und Patientengewinnung.
Mehr über den Autor

