- Immer mehr Ärzte arbeiten in der ambulanten Versorgung angestellt und in Teilzeit. 2025 waren es laut KBV knapp 60.000 angestellte Ärzte und Psychotherapeuten.
- Die meisten Fachärzte, die für eine Praxis in Frage kommen, sind fest angestellt und lesen keine Stellenanzeigen. Sie lassen sich am besten direkt und vertraulich ansprechen.
- Der wichtigste Weg ist die Direktvermittlung mit gezielter Ansprache passender Kandidaten. Personalmarketing, das eigene Netzwerk und Jobbörsen ergänzen ihn.
- Die Anstellung in einer Vertragsarztpraxis oder einem MVZ muss vor Beginn vom Zulassungsausschuss genehmigt werden.
Einen angestellten Facharzt finden Praxen und MVZ heute vor allem über die direkte Ansprache. Die meisten Ärzte, die für Ihre Stelle in Frage kommen, sind fest angestellt und lesen keine Stellenanzeigen. Wer sie gezielt und vertraulich anspricht und ein Angebot macht, das zu ihrer Lebenssituation passt, hat die besten Chancen.
Als Gründer von Rankingdocs habe ich in den letzten Jahren viele Facharztpraxen und MVZ bei der Suche nach Ärzten begleitet. In diesem Beitrag teile ich, was ich dabei über den ärztlichen Arbeitsmarkt gelernt habe, welche Wege funktionieren und woran eine Suche häufig scheitert.
Mehr Ärzte, aber weniger Arbeitszeit
Auf den ersten Blick wächst die Zahl der Ärzte in der ambulanten Versorgung. Nach der Arztzahlstatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für 2025 nahmen 191.875 Ärzte und Psychotherapeuten an der vertragsärztlichen Versorgung teil, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig arbeiteten mehr als 70.000 von ihnen in Teilzeit.
Für Sie als Praxisinhaber heißt das, dass ein Arzt heute oft keinen vollen Sitz mehr ersetzt. Wer eine Vollzeitstelle nachbesetzen will, braucht nicht selten zwei Ärzte in Teilzeit. Die Nachfrage nach angestellten Fachärzten steigt deshalb schneller als die Zahl der verfügbaren Kandidaten.
Dazu kommt der Wandel der Berufswünsche. Laut KBV stieg die Zahl der angestellten Ärzte und Psychotherapeuten in der ambulanten Versorgung von rund 55.600 auf knapp 60.000 innerhalb eines Jahres. In unseren Gesprächen erlebe ich immer wieder, dass junge Fachärzte zunächst angestellt arbeiten möchten, bevor sie sich mit Gründung, Investitionen und Verwaltung beschäftigen. Für Praxen und MVZ, die anstellen, ist das eine Chance. Um dieselben Ärzte bemühen sich allerdings auch Kliniken, andere Praxen und große MVZ-Gruppen.
Was Fachärzten bei der Wahl einer Stelle wichtig ist
Fachärzte können sich ihre Stelle in den meisten Regionen aussuchen und vergleichen entsprechend genau. In den Gesprächen mit Ärzten höre ich immer wieder dieselben Punkte, die am Ende den Ausschlag geben:
- Arbeitszeit: Planbare Sprechzeiten, keine Dienste am Wochenende und die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, sind für viele Ärzte wichtiger als ein höheres Gehalt.
- Schwerpunkte: Ärzte möchten ihre Qualifikationen einbringen, etwa ein ambulantes Operieren, eine bestimmte Diagnostik oder eine Zusatzweiterbildung.
- Team und Organisation: Eine eingespielte Praxis mit gut besetzter Anmeldung und klaren Abläufen entlastet den Arzt von Verwaltungsarbeit.
- Ausstattung: Moderne Geräte und eine funktionierende digitale Infrastruktur zeigen, dass die Praxis in ihre Zukunft investiert.
- Vergütung: Neben dem Grundgehalt spielen Beteiligungen am Umsatz, Fortbildungsbudgets und Zusatzleistungen eine Rolle.
- Perspektive: Viele Ärzte fragen früh, ob später eine Partnerschaft oder die Übernahme des Sitzes möglich ist.
Je klarer Sie diese Punkte für Ihre Praxis beantworten können, desto leichter wird die Ansprache. Ein Facharzt verlässt eine sichere Stelle erst, wenn das neue Angebot spürbar besser zu seinem Leben passt.
Vier Wege zu einem neuen Facharzt
Bei Fachkräften wie MFA oder ZFA arbeiten wir mit einem eigenen Bewerberpool, der Direktvermittlung aus unserem Kandidaten-Pool und durchgängigem Personalmarketing. Bei Ärzten liegt der Schwerpunkt klar auf der Direktvermittlung, weil es in einer Region nur wenige passende Kandidaten gibt und fast alle fest angestellt sind.
Direktvermittlung und gezielte Ansprache
Bei der Direktvermittlung sucht ein spezialisierter Partner gezielt nach Fachärzten, die zum Profil Ihrer Stelle passen. Er spricht sie persönlich und vertraulich an, auch wenn sie gerade keine neue Stelle suchen. Dieses Vorgehen wird auch Active Sourcing genannt. Der Vorteil liegt in der Reichweite. Sie erreichen die große Gruppe der Ärzte, die sich einen Wechsel grundsätzlich vorstellen können, aber keine Stellenanzeigen lesen.
Für eine Praxis ist diese Suche neben dem Tagesgeschäft kaum zu leisten. Sie kostet viel Zeit und braucht Erfahrung darin, Ärzte diskret anzusprechen, ohne aufdringlich zu wirken. Meist übernehmen das deshalb Personalvermittler, die auf das Gesundheitswesen spezialisiert sind.
Personalmarketing
Ein Facharzt, der von einer Praxis hört, schaut sich zuerst die Website und die Präsenz in sozialen Netzwerken an. Eine Karriereseite mit Bildern aus der Praxis, Informationen zum Team und einer klaren Beschreibung der Stelle stärkt die direkte Ansprache. Ein kurzer Film über die Praxis kann zeigen, wie der Arbeitsalltag aussieht. So wird aus einem unbekannten Namen ein Arbeitgeber, den sich der Kandidat vorstellen kann.
Netzwerk und Weiterbildung
Viele Praxen gewinnen Fachärzte über persönliche Kontakte, etwa aus der Klinik, in der der Inhaber früher gearbeitet hat, oder über Kollegen aus Qualitätszirkeln. Ein weiterer Hebel ist die Weiterbildung. Praxen mit einer Weiterbildungsbefugnis der Landesärztekammer können Ärzte in Weiterbildung beschäftigen und sie nach der Facharztprüfung im Team halten. Die Beschäftigung eines Weiterbildungsassistenten muss die Kassenärztliche Vereinigung genehmigen.
Stellenanzeigen in Fachportalen
Stellenanzeigen im Deutschen Ärzteblatt oder in ärztlichen Jobportalen erreichen die Ärzte, die gerade aktiv suchen. Diese Gruppe ist klein, und viele Arbeitgeber werben um sie. Ich sehe Anzeigen deshalb als sinnvolle Ergänzung, allein reichen sie in den seltensten Fällen.
So läuft eine Direktvermittlung ab
Eine professionelle Direktvermittlung folgt einem klaren Ablauf. An diesen Schritten können Sie auch prüfen, ob ein Partner gründlich arbeitet.
- Bedarfsanalyse: Zu Beginn klären Sie mit dem Vermittler Fachrichtung, Umfang der Stelle, gewünschte Schwerpunkte, Gehaltsrahmen und Starttermin. Dazu gehört auch, was Ihre Praxis einem Arzt bietet und wodurch sie sich von anderen Arbeitgebern unterscheidet.
- Suche und Ansprache: Der Vermittler sucht passende Kandidaten und spricht sie vertraulich an. Er stellt Ihre Praxis vor, ohne Ihren Namen sofort preiszugeben, wenn das gewünscht ist.
- Vorauswahl: In Gesprächen mit den Kandidaten prüft der Vermittler Qualifikation, Wechselmotiv, Verfügbarkeit und Erwartungen. Sie erhalten nur Profile, die zu Ihrer Stelle passen.
- Kennenlernen: Sie lernen die Kandidaten persönlich kennen, oft zuerst per Video und danach in der Praxis. Eine Hospitation hilft beiden Seiten bei der Entscheidung.
- Vertrag: Der Vermittler begleitet die Verhandlung bis zur Unterschrift und hält Kontakt bis zum Start, damit die Zusage auch während einer langen Kündigungsfrist stabil bleibt.
Marktüblich wird eine Direktvermittlung über ein Honorar abgerechnet, das sich am Bruttojahresgehalt des vermittelten Arztes orientiert. Klären Sie vor dem Start, welche Leistungen enthalten sind, wann das Honorar fällig wird und was gilt, wenn der Arzt die Praxis in der Probezeit wieder verlässt.
Die Genehmigung durch den Zulassungsausschuss
Wer in einer Vertragsarztpraxis oder einem MVZ einen Arzt anstellt, braucht vor Beginn die Genehmigung des Zulassungsausschusses. Darauf weist zum Beispiel die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hin. Dem Antrag liegen unter anderem der Anstellungsvertrag, ein Lebenslauf und ein polizeiliches Führungszeugnis bei. Der Arzt muss im Arztregister eingetragen sein, wofür die Approbation und die Facharztanerkennung nötig sind.
Ob und in welchem Umfang eine Anstellung möglich ist, hängt von der Bedarfsplanung ab. In einem offenen Planungsbereich wird die Anstellung auf die Bedarfsplanung angerechnet. In einem gesperrten Planungsbereich gelten engere Regeln, zum Beispiel eine Begrenzung der abrechenbaren Leistungen der Praxis. Sprechen Sie die Möglichkeiten deshalb früh mit Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung ab und rechnen Sie die Zeit für das Genehmigungsverfahren in Ihre Planung ein.
Fehler, die die Suche verlängern
Einige Fehler sehe ich bei der Arztsuche immer wieder, und jeder davon kostet Monate:
- Zu späte Planung: Kündigungsfristen von mehreren Monaten und das Genehmigungsverfahren lassen sich nicht abkürzen. Wer erst nach der Kündigung eines Arztes sucht, hat oft eine längere Lücke.
- Unklares Angebot: Eine Stellenbeschreibung ohne Angaben zu Arbeitszeit, Schwerpunkten und Perspektive überzeugt keinen wechselwilligen Facharzt.
- Langsame Rückmeldung: Gute Kandidaten führen mehrere Gespräche gleichzeitig. Melden Sie sich innerhalb weniger Tage und treffen Sie Entscheidungen zügig.
- Starre Arbeitszeitmodelle: Wer nur Vollzeit anbietet, schließt einen großen Teil der Fachärzte von vornherein aus.
So unterstützen wir Sie
Mit Rankingdocs arbeiten wir seit 2018 ausschließlich für das Gesundheitswesen. In der Direktvermittlung suchen wir für Facharztpraxen und MVZ gezielt nach passenden Ärzten und sprechen sie vertraulich an, auch wenn sie gerade nicht aktiv suchen. Wir begleiten Sie von der Bedarfsanalyse bis zur Vertragsunterschrift und unterstützen auf Wunsch mit Personalmarketing für Ihre Praxis. Für Fachkräfte wie MFA bauen wir zusätzlich einen eigenen Bewerberpool auf, wie im Beitrag MFA finden beschrieben. Mehr zu unseren Leistungen finden Sie auf der Seite zur Mitarbeitergewinnung. Wenn Sie einen Facharzt suchen, besprechen wir in einer kostenlosen Erstberatung, wie wir für Ihre Fachrichtung vorgehen würden.
Häufige Fragen
Wie finde ich einen Facharzt für meine Praxis?
Am zuverlässigsten über eine Direktvermittlung. Dabei werden passende Fachärzte gezielt und vertraulich angesprochen, auch wenn sie gerade nicht aktiv suchen. Personalmarketing, Kontakte aus der Weiterbildung und Stellenanzeigen in Fachportalen ergänzen diesen Weg.
Was ist Ärzten bei der Wahl einer Stelle wichtig?
Planbare Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle, ein gutes Team, moderne Ausstattung, die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte einzubringen, und eine faire Vergütung. Für viele ist außerdem eine spätere Perspektive in der Praxis wichtig, zum Beispiel eine Partnerschaft oder die Übernahme des Sitzes.
Braucht die Anstellung eines Arztes eine Genehmigung?
Ja. In einer Vertragsarztpraxis oder einem MVZ genehmigt der Zulassungsausschuss die Anstellung vor Beginn. Der Arzt muss im Arztregister eingetragen sein, wofür Approbation und Facharztanerkennung nötig sind. In gesperrten Planungsbereichen gelten zusätzliche Regeln, die Ihre Kassenärztliche Vereinigung erläutert.
Was kostet die Vermittlung eines Facharztes?
Marktüblich ist ein Honorar, das sich am Bruttojahresgehalt des vermittelten Arztes orientiert und als Prozentsatz berechnet wird. Die genauen Konditionen hängen vom Anbieter und vom Umfang der Suche ab.
Wie lange dauert es, einen Facharzt zu finden?
Das hängt von Fachrichtung, Region und Stellenprofil ab. Hinzu kommen oft Kündigungsfristen von mehreren Monaten beim bisherigen Arbeitgeber und die Genehmigung durch den Zulassungsausschuss. Planen Sie die Suche deshalb so früh wie möglich.

Sebastian Weidner ist Gründer und Geschäftsführer von Rankingdocs. Seit 2018 unterstützt er mit seinem Team Praxen, Kliniken und Unternehmen im Gesundheitswesen bei der Mitarbeiter- und Patientengewinnung.
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