Mitarbeitergewinnung für ambulante Pflegedienste: So finden Sie Pflegekräfte

Wie ambulante Pflegedienste Pflegefachkräfte und Pflegehelfer gewinnen: eigener Bewerberpool, Direktvermittlung, Personalmarketing und gute Dienstpläne.

Das Wichtigste in Kürze
  • Pflege- und Gesundheitsberufe sind laut Bundesagentur für Arbeit am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen. Ambulante Pflegedienste konkurrieren dabei mit Kliniken und Pflegeheimen um dieselben Fachkräfte.
  • Seit September 2022 müssen zugelassene Pflegedienste mindestens nach Tarif bezahlen. Das Gehalt allein unterscheidet einen Pflegedienst deshalb kaum noch von anderen.
  • Pflegekräfte entscheiden sich vor allem nach Dienstplansicherheit, festen Touren, Einspringregeln und der Ausstattung mit Fahrzeug und Technik.
  • Pflegedienste haben drei Wege zu neuen Mitarbeitern: einen eigenen Bewerberpool über Social Recruiting, die Direktvermittlung und ein durchgängiges Personalmarketing.

Als Gründer von Rankingdocs habe ich viele Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste bei der Suche nach Pflegekräften begleitet. Die Lage ist fast überall ähnlich: Die Anfragen von Angehörigen kommen jede Woche, aber der Dienst kann keine neuen Patienten aufnehmen, weil Personal fehlt. In diesem Beitrag teile ich, was ich in diesen Projekten gelernt habe und wie Pflegedienste trotz des Mangels neue Mitarbeiter finden.

Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Die meisten Pflegefachkräfte haben eine feste Stelle und lesen keine Stellenanzeigen. Sie wechseln, wenn ein Dienst ihnen verlässliche Dienstpläne, faire Touren und ein gutes Team bietet und das auch sichtbar macht.

Die Lage in der ambulanten Pflege

Die Bundesagentur für Arbeit wertet jedes Jahr aus, in welchen Berufen Fachkräfte fehlen. Für 2024 waren Pflege- und Gesundheitsberufe am stärksten betroffen, so die Bundesagentur in ihrer Pressemitteilung vom Mai 2025. Gleichzeitig wächst der Bedarf. Nach der Pflegestatistik des Statistischen Bundesamts waren im Dezember 2023 knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig. 86 Prozent von ihnen wurden zu Hause versorgt, rund 1,1 Millionen davon ganz oder teilweise durch ambulante Dienste.

Jede unbesetzte Stelle bedeutet für Ihren Dienst abgelehnte Versorgungsanfragen und Überstunden im Team. Wenn das über Monate so geht, folgen weitere Kündigungen, und der Druck auf die Verbliebenen steigt noch einmal.

Mit dem Gehalt allein heben Sie sich kaum noch ab

Seit dem 1. September 2022 sind nur noch Pflegeeinrichtungen zur Versorgung zugelassen, die tarifgebunden sind oder ihr Pflege- und Betreuungspersonal mindestens nach einem regional geltenden Pflegetarif bezahlen. Das Bundesgesundheitsministerium hat diese Regel ausdrücklich für Pflegeheime und ambulante Pflegedienste eingeführt.

Die Gehälter sind dadurch gestiegen und haben sich angeglichen. Für die Mitarbeitergewinnung heißt das, dass Sie sich über das Grundgehalt kaum noch von anderen Diensten, Pflegeheimen oder Kliniken unterscheiden. In unseren Projekten entscheiden die Arbeitsbedingungen und die Art, wie ein Dienst sie nach außen zeigt.

Was die ambulante Pflege besonders macht

Wer aus dem Krankenhaus oder Pflegeheim kommt, erlebt in der ambulanten Pflege einen anderen Alltag. Diese Unterschiede gehören in Ihre Ansprache:

  • Touren: Pflegekräfte fahren nacheinander zu mehreren Patienten. Realistisch geplante Fahrzeiten und feste Touren mit bekannten Patienten machen den Tag planbar.
  • Alleinarbeit: Vor Ort arbeitet die Pflegekraft meist allein. Das schätzen viele, es braucht aber eine gute Einarbeitung, erreichbare Ansprechpartner und klare Abläufe für Notfälle.
  • Dienstzeiten: Früh- und Spättouren und Wochenenddienste gehören dazu. Viele ambulante Dienste haben keine Nachtdienste, und für Pflegekräfte aus der Klinik ist das oft der entscheidende Punkt.
  • Fahrzeug und Technik: Ein gepflegtes Dienstfahrzeug, private Nutzung oder ein Dienstrad und ein Smartphone mit funktionierender Pflegesoftware erleichtern die Arbeit spürbar.
  • Nähe zum Patienten: Pflegekräfte begleiten ihre Patienten oft über Jahre. Für viele ist das der wichtigste Grund, ambulant zu arbeiten.

Was Pflegekräfte von ihrem Dienst erwarten

Wenn ich Pflegekräfte nach ihrem Wechselgrund frage, höre ich am häufigsten den Dienstplan. Wer an freien Tagen ständig angerufen wird, um einzuspringen, sucht sich irgendwann einen anderen Arbeitgeber. Ein verlässlicher Dienstplan ist deshalb eines der stärksten Argumente, die ein Pflegedienst haben kann.

Gut bewährt haben sich Dienstpläne, die mehrere Wochen im Voraus feststehen, ein fester Springerpool oder Bereitschaftsdienst mit Zulage und eine Einspringprämie, die das Einspringen fair vergütet. Dazu kommen Teilzeitmodelle mit festen Touren, zum Beispiel nur Frühtouren für Eltern mit Kindern in der Kita. Was Fachkräfte im Gesundheitswesen beim Wechsel antreibt, haben wir außerdem in der Rankingdocs-Studie mit Bewerbern ausgewertet, die wir selbst vermittelt haben.

Drei Wege zu neuen Pflegekräften

In unseren Projekten mit Pflegeeinrichtungen haben sich drei Wege bewährt. Welcher passt, hängt davon ab, wie dringend der Bedarf ist, und oft kombinieren wir sie.

  1. Eigener Bewerberpool: Ihr Dienst spricht laufend Pflegefachkräfte und Pflegehelfer aus der Region an, auch fest angestellte, die keine Anzeigen lesen. Die Bewerber werden vorqualifiziert und lassen sich später erneut ansprechen, wenn wieder eine Stelle frei wird. Der wichtigste Kanal dafür ist Social Recruiting.
  2. Direktvermittlung: Wenn eine Pflegedienstleitung oder mehrere Fachkräfte gleichzeitig gehen, schlagen wir Ihnen Kandidaten aus unserem bundesweiten Kandidaten-Pool vor.
  3. Personalmarketing: Imagefilm, Social Media und eine gute Karriereseite zeigen Ihren Dienst als Arbeitgeber und machen die beiden anderen Wege wirksamer.

Strategien für die Pflege insgesamt, auch für stationäre Einrichtungen, habe ich im Beitrag Qualifizierte Pflegekräfte gewinnen zusammengefasst.

Pflegehelfer und Quereinsteiger mitdenken

Viele Aufgaben im ambulanten Dienst brauchen keine dreijährig ausgebildete Pflegefachkraft. Hauswirtschaftliche Versorgung, Betreuung und Teile der Grundpflege können Pflegehelfer und Betreuungskräfte übernehmen. Wenn Sie diese Gruppen gezielt ansprechen, entlasten Sie Ihre Fachkräfte und gewinnen Zeit für die Behandlungspflege.

Quereinsteiger kommen häufig aus dem Einzelhandel, der Gastronomie oder der Kinderbetreuung und suchen eine sinnvolle Arbeit mit planbaren Zeiten. Sie können gut mit Menschen umgehen und lassen sich mit einem Pflegebasiskurs gut einarbeiten. Einige entscheiden sich später für die Ausbildung zur Pflegefachkraft. Ein Dienst, der diesen Weg aktiv fördert, baut sich auf diese Weise eigenen Nachwuchs auf.

Ich empfehle, in der Anzeige klar zu sagen, für welche Tätigkeiten keine Ausbildung nötig ist, ob ein Führerschein vorausgesetzt wird und welche Schulung es zu Beginn gibt. Dann passen die Bewerbungen auch zu den Aufgaben.

Social Recruiting für Pflegedienste

Beim Social Recruiting erscheinen Bilder und Videos Ihres Dienstes als Anzeigen bei Facebook, Instagram oder TikTok, ausgespielt an Menschen in Ihrem Einzugsgebiet, die in der Pflege arbeiten. So erreichen Sie auch Pflegekräfte aus Kliniken und Pflegeheimen, die über einen Wechsel nachdenken.

Diese beiden Gruppen reagieren auf unterschiedliche Argumente. Pflegekräfte aus der Klinik interessiert vor allem die Arbeit ohne Nachtdienst und mit mehr Zeit für den einzelnen Patienten. Erfahrene ambulante Kräfte achten auf feste Touren, ein gutes Fahrzeug und einen verlässlichen Dienstplan. In unseren Kampagnen bringen getrennte Anzeigen für beide Gruppen deutlich passendere Bewerbungen.

Kurze Videos aus dem Alltag wirken dabei viel stärker als Stockfotos. Zeigen Sie die Übergabe am Morgen, das Team im Büro oder eine Kollegin, die zur Tour losfährt. Patienten sollten nur mit ausdrücklicher Einwilligung zu sehen sein.

Die Bewerbung muss schnell gehen

Pflegekräfte bewerben sich meist in der Pause oder nach dem Dienst am Smartphone. Die Bewerbung sollte deshalb in wenigen Minuten möglich sein, ohne Anschreiben und ohne Lebenslauf. Ein paar kurze Fragen zu Qualifikation, Führerschein, Stundenumfang und Wunschtouren reichen für eine erste Einschätzung.

Melden Sie sich innerhalb von zwei Tagen persönlich, am besten am Telefon. Laden Sie zu einem kurzen Kennenlernen ein und bieten Sie an, einen Vormittag auf einer Tour mitzufahren. Die Bewerberin sieht dann, wie Ihr Dienst arbeitet, und Sie erleben sie im Umgang mit Patienten.

Gute Leute halten

Jede Pflegekraft, die bleibt, müssen Sie nicht neu suchen. Diese Punkte helfen dabei:

  • Einarbeitung: Neue Kollegen fahren die ersten Touren gemeinsam mit erfahrenen Mitarbeitern und haben eine feste Ansprechperson.
  • Dienstplan: Wünsche werden früh abgefragt, und Änderungen bleiben die Ausnahme.
  • Wertschätzung: Regelmäßige Teamtreffen, Rückmeldungen der Pflegedienstleitung und kleine Gesten wie Getränke im Fahrzeug oder ein gemeinsames Frühstück.
  • Entwicklung: Weiterbildungen zur Praxisanleitung, Wundexpertin oder Pflegedienstleitung zeigen Perspektiven im eigenen Dienst.
  • Zusatzleistungen: Steuerlich begünstigte Leistungen wie Sachbezüge oder betriebliche Gesundheitsförderung kommen weitgehend netto an.

So unterstützen wir Sie

Mit Rankingdocs arbeiten wir seit 2018 ausschließlich für das Gesundheitswesen, darunter Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste. Wir bauen für Sie einen eigenen Bewerberpool auf, schlagen bei akutem Bedarf Kandidaten aus unserem bundesweiten Pool vor und übernehmen das Personalmarketing vom Imagefilm bis zur Karriereseite. Die ersten qualifizierten Bewerbungen kommen meist 10 bis 14 Tage nach dem Start, und im Durchschnitt ist eine Stelle nach 25 bis 30 Tagen besetzt. Mit unserer Einstellungsgarantie vereinbaren wir eine feste Zahl an Einstellungen in einer festen Laufzeit, und wenn wir sie nicht erreichen, arbeiten wir honorarfrei weiter.

Mehr dazu finden Sie auf der Seite zur Mitarbeitergewinnung. Wie das für Ihren Pflegedienst aussehen kann, besprechen wir gern in einer kostenlosen Erstberatung.

Häufige Fragen

Wie finden ambulante Pflegedienste neue Pflegekräfte?

Am wirksamsten über Social Recruiting, also Anzeigen mit Bildern und Videos bei Facebook und Instagram, die auch fest angestellte Pflegekräfte erreichen. Bei akutem Bedarf hilft die Direktvermittlung aus einem bestehenden Kandidaten-Pool.

Müssen ambulante Pflegedienste nach Tarif bezahlen?

Ja. Seit dem 1. September 2022 sind nur noch Pflegeeinrichtungen zur Versorgung zugelassen, die tarifgebunden sind oder ihr Pflege- und Betreuungspersonal mindestens in Höhe eines in der Region geltenden Pflegetarifs bezahlen. Das gilt für Pflegeheime und ambulante Pflegedienste.

Was ist Pflegekräften bei einem ambulanten Pflegedienst wichtig?

Ein verlässlicher Dienstplan, feste Touren mit realistischen Zeiten, klare Regeln für das Einspringen, ein gut ausgestattetes Dienstfahrzeug und eine gute Einarbeitung. Viele Pflegekräfte wünschen sich außerdem Teilzeitmodelle, die zu ihrer Familie passen.

Wie schnell sollte sich ein Pflegedienst auf eine Bewerbung melden?

Innerhalb von 2 Tagen und persönlich, am besten telefonisch. Pflegekräfte haben meist mehrere Angebote, und wer sich später meldet, verliert Bewerber an schnellere Arbeitgeber.

Wie schnell lässt sich eine Stelle im Pflegedienst besetzen?

In unseren Projekten kommen die ersten qualifizierten Bewerbungen meist 10 bis 14 Tage nach dem Start. Im Durchschnitt ist eine Stelle nach 25 bis 30 Tagen besetzt.

Sebastian Weidner
Über den AutorSebastian Weidner

Sebastian Weidner ist Gründer und Geschäftsführer von Rankingdocs. Seit 2018 unterstützt er mit seinem Team Praxen, Kliniken und Unternehmen im Gesundheitswesen bei der Mitarbeiter- und Patientengewinnung.

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