- Die Ergotherapie gehört laut Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zu den Berufen mit dem größten Engpass in Deutschland.
- Die meisten Ergotherapeuten sind fest angestellt und schauen selten in Jobportale. Wer nur dort sucht, erreicht einen kleinen Teil der möglichen Kandidaten.
- Praxen haben drei Wege zu neuen Mitarbeitern: einen eigenen Bewerberpool über Social Recruiting, die Direktvermittlung und ein durchgängiges Personalmarketing.
- Ob Bewerber zusagen und bleiben, hängt von Arbeitsbedingungen wie Behandlungstakt, Hausbesuchsregelung, Fortbildungsbudget und fachlichem Austausch ab.
Als Gründer von Rankingdocs habe ich in den letzten Jahren viele Ergotherapie-Praxen und Therapiezentren bei der Suche nach neuen Mitarbeitern begleitet. Fast jedes Gespräch beginnt gleich: Die Anzeige läuft seit Monaten, Bewerbungen kommen kaum, und die Warteliste wird länger. In diesem Beitrag teile ich, warum Ergotherapeuten so schwer zu finden sind und welche Wege in der Praxis tatsächlich funktionieren.
Vorweg das Wichtigste aus meiner Erfahrung: Die meisten guten Ergotherapeuten sind fest angestellt und lesen keine Stellenanzeigen. Sie wechseln, wenn eine Praxis sie gezielt anspricht und ihnen ein Umfeld bietet, das besser zu ihnen passt.
Ergotherapie gehört zu den knappsten Berufen in Deutschland
Die Bundesagentur für Arbeit bewertet jedes Jahr, in welchen Berufen Fachkräfte fehlen. In der Fachkräfteengpassanalyse für 2024 teilt sich die Ergotherapie den ersten Platz mit der Physiotherapie. Beide kommen auf 2,7 von 3 möglichen Punkten, wie der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) mit Bezug auf die Analyse berichtet. Einen größeren Engpass bescheinigt die Bundesagentur keinem anderen Beruf auf diesem Qualifikationsniveau.
Im Alltag Ihrer Praxis heißt das, dass auf eine offene Stelle nur sehr wenige arbeitslose Ergotherapeuten kommen. Gleichzeitig wächst der Bedarf. Eine älter werdende Bevölkerung braucht mehr Behandlungen nach Schlaganfall, bei Demenz oder bei Erkrankungen des Bewegungsapparats, und in der Pädiatrie warten viele Familien lange auf einen Therapieplatz.
Warum Ergotherapeuten wechseln oder den Beruf verlassen
Die Gründe ähneln denen in anderen Heilmittelberufen. In der Ergotherapie kommen aber ein paar eigene Punkte dazu.
Vergütung: Die Krankenkassen vergüten ergotherapeutische Leistungen nach festen Sätzen. Das begrenzt den Spielraum für höhere Gehälter, und viele Therapeuten erleben, dass ihre Verantwortung wächst, während das Gehalt kaum mitzieht.
Ausbildung: Die dreijährige Ausbildung findet an Berufsfachschulen statt, und lange Zeit mussten Auszubildende Schulgeld zahlen. Viele Bundesländer haben das inzwischen abgeschafft oder übernehmen die Kosten, einheitlich geregelt ist es aber bis heute nicht. Der Ruf als teurer Beruf mit niedrigem Einstiegsgehalt hält sich trotzdem.
Arbeitsalltag: Ergotherapeuten arbeiten in der Praxis, in Pflegeheimen, in Förderschulen und bei Patienten zu Hause. Hausbesuche bedeuten Fahrzeit, Parkplatzsuche und Dokumentation unterwegs. Ist die Fahrzeit nicht als Arbeitszeit eingeplant, entsteht Zeitdruck, der sich über Monate aufbaut.
Fachgebiet: Kaum ein Beruf ist so breit wie die Ergotherapie, von der Pädiatrie über Neurologie und Orthopädie bis zur Psychiatrie. Die meisten Therapeuten haben ein Gebiet, in dem sie arbeiten möchten. Bietet die Praxis ihnen dort keine Entwicklung, schauen sie sich um.
Warum die klassische Suche so wenig bringt
Viele Praxen suchen weiterhin über Jobportale, die Arbeitsagentur oder Aushänge an Berufsfachschulen. So erreichen Sie Berufsanfänger und die wenigen Therapeuten, die gerade aktiv suchen. Um genau diese kleine Gruppe bewerben sich alle Praxen der Region.
Dazu kommt das Bewerbungsverfahren. Wer Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse verlangt und sich erst nach zwei Wochen meldet, verliert Bewerber an schnellere Praxen. Was eine offene Stelle Ihre Praxis jeden Monat kostet, können Sie mit unserem Vakanzkostenrechner überschlagen.
Drei Wege zu neuen Ergotherapeuten
In unseren Projekten mit Praxen und Therapiezentren haben sich drei Wege bewährt. Welcher passt, hängt davon ab, wie dringend die Stelle ist. Oft kombinieren wir sie.
- Eigener Bewerberpool: Ihre Praxis spricht laufend Ergotherapeuten aus der Region an, auch fest angestellte, die keine Anzeigen lesen. Die Bewerber werden vorqualifiziert und lassen sich später erneut ansprechen, wenn wieder eine Stelle frei wird. Der wichtigste Kanal dafür ist Social Recruiting.
- Direktvermittlung: Wenn es schnell gehen muss, etwa nach einer Kündigung oder vor einer Erweiterung, schlagen wir Ihnen passende Kandidaten aus unserem bundesweiten Kandidaten-Pool vor.
- Personalmarketing: Imagefilm, Social Media und eine gute Karriereseite zeigen Ihre Praxis als Arbeitgeber und machen die beiden anderen Wege wirksamer.
Viele Therapiezentren suchen Ergotherapeuten und Logopäden gleichzeitig. Wie das in der Logopädie aussieht, habe ich im Beitrag Logopäden und Ergotherapeuten finden beschrieben.
Berufsanfänger und Wiedereinsteiger nicht vergessen
Zwei Gruppen übersehen viele Praxen. Die erste sind Absolventen der Berufsfachschulen. Sie suchen meist schon im letzten Ausbildungsjahr und entscheiden sich oft für die Praxis, in der sie ihr Praktikum gemacht haben oder die sich früh bei ihnen gemeldet hat. Praktikumsplätze und ein guter Draht zu den Schulen in Ihrer Region lohnen sich deshalb.
Die zweite Gruppe sind Ergotherapeutinnen, die nach einer Familienpause oder ein paar Jahren in einem anderen Beruf zurückkommen möchten. Ihnen sind planbare Arbeitszeiten in Teilzeit und eine Einarbeitung wichtig, die Sicherheit gibt. Wenn Sie Wiedereinsteigerinnen in Ihrer Anzeige ausdrücklich ansprechen und feste Vormittagszeiten anbieten, melden sich Frauen, die auf normale Stellenanzeigen nie reagiert hätten.
In beiden Fällen hilft es, offen zu zeigen, wer die Einarbeitung übernimmt und wie die ersten Wochen aussehen. Das nimmt viel Unsicherheit.
Social Recruiting in der Ergotherapie
Beim Social Recruiting erscheinen Bilder und Videos Ihrer Praxis als Anzeigen bei Facebook, Instagram oder TikTok. Damit erreichen Sie auch die vielen Ergotherapeuten, die fest angestellt sind und sich einen Wechsel grundsätzlich vorstellen können.
Ich empfehle, in der Anzeige immer das Fachgebiet zu nennen. Eine Ergotherapeutin mit Schwerpunkt Pädiatrie bleibt bei einer Anzeige hängen, die zeigt, wie Ihr Team mit Kindern arbeitet. Ein Therapeut mit neurologischer Weiterbildung achtet darauf, ob Sie Patienten nach Schlaganfall behandeln und mit welchen Konzepten. Je genauer die Ansprache, desto besser passen die Bewerbungen.
Kurzvideos zeigen, wie Sie arbeiten
In sozialen Netzwerken funktionieren kurze Videos deutlich besser als Fotos. Für Ergotherapie-Praxen eignen sich Szenen aus dem Behandlungsraum, das Team bei einer Fallbesprechung oder ein kurzer Rundgang durch die Räume. Patienten dürfen dabei nur erkennbar sein, wenn sie ausdrücklich eingewilligt haben.
Professionell gedrehte Videos mit gutem Ton wirken hochwertiger als Handyaufnahmen und bleiben trotzdem nah am echten Alltag. Bewerber bekommen so ein Gefühl dafür, ob sie in Ihr Team passen.
Die Bewerbung muss in wenigen Minuten gehen
Ergotherapeuten können sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Die Bewerbung sollte deshalb am Smartphone in wenigen Minuten möglich sein, ohne Anschreiben und ohne Lebenslauf.
Gut bewährt hat sich eine kurze Vorqualifizierung im Dialog. Der Bewerber beantwortet ein paar Fragen zu Abschluss, Berufserfahrung, Fachgebiet, Weiterbildungen und Wunscharbeitszeit, und Sie erhalten eine Kurzbewerbung mit allem Wichtigen. Melden Sie sich innerhalb von zwei Tagen persönlich und sichern Sie Vertraulichkeit gegenüber dem aktuellen Arbeitgeber zu, denn fast alle Kandidaten bewerben sich aus einer festen Stelle heraus.
Woran sich Bewerber am Ende entscheiden
Recruiting bringt Bewerber zu Ihnen. Ob sie zusagen und bleiben, entscheiden die Arbeitsbedingungen. Diese Punkte haben Sie selbst in der Hand:
- Behandlungstakt: Feste Zeiten für Dokumentation und Elterngespräche entlasten das Team spürbar.
- Hausbesuche: Fahrzeit zählt als Arbeitszeit, und Dienstwagen oder Kilometerpauschale sind klar geregelt. Wer keine Hausbesuche machen möchte, sollte das schon in der Anzeige erkennen.
- Fortbildungen: Ein festes Budget und Freistellung für Kurse wie Bobath, Sensorische Integration oder Handtherapie sind im Gespräch ein starkes Argument.
- Fachlicher Austausch: Regelmäßige Fallbesprechungen und eine Einarbeitung durch erfahrene Kollegen sind gerade für Berufsanfänger wichtig.
- Arbeitszeit: Teilzeit und flexible Modelle machen Beruf und Familie besser vereinbar.
- Gehalt: Regelmäßige Anpassungen und steuerlich begünstigte Zusatzleistungen wie Sachbezüge oder betriebliche Gesundheitsförderung kommen weitgehend netto an.
Was Fachkräfte im Gesundheitswesen beim Wechsel wirklich antreibt, haben wir in der Rankingdocs-Studie mit Bewerbern ausgewertet, die wir selbst vermittelt haben.
So unterstützen wir Sie
Mit Rankingdocs arbeiten wir seit 2018 ausschließlich für das Gesundheitswesen, darunter viele Ergotherapie-Praxen und Therapiezentren. Wir bauen für Sie einen eigenen Bewerberpool auf, schlagen bei akutem Bedarf Kandidaten aus unserem bundesweiten Pool vor und übernehmen das Personalmarketing vom Imagefilm bis zur Karriereseite. Die ersten qualifizierten Bewerbungen kommen meist 10 bis 14 Tage nach dem Start, und im Durchschnitt ist eine Stelle nach 25 bis 30 Tagen besetzt. Mit unserer Einstellungsgarantie vereinbaren wir eine feste Zahl an Einstellungen in einer festen Laufzeit, und wenn wir sie nicht erreichen, arbeiten wir honorarfrei weiter.
Mehr dazu finden Sie auf der Seite zur Mitarbeitergewinnung. Wie das für Ihre Praxis aussehen kann, besprechen wir gern in einer kostenlosen Erstberatung.
Häufige Fragen
Warum ist es so schwer, Ergotherapeuten zu finden?
Der Bedarf an Ergotherapie wächst, während zu wenige Fachkräfte nachkommen. Die Bundesagentur für Arbeit führt die Ergotherapie in ihrer Fachkräfteengpassanalyse für 2024 gemeinsam mit der Physiotherapie als Beruf mit dem größten Engpass. Hinzu kommen eine budgetierte Vergütung, Zeitdruck und viele Hausbesuche.
Wie erreichen Praxen Ergotherapeuten, die nicht aktiv suchen?
Über Social Recruiting. Anzeigen mit Bildern und Videos der Praxis erscheinen bei Facebook und Instagram und erreichen auch fest angestellte Therapeuten, die sich einen Wechsel grundsätzlich vorstellen können.
Welche Arbeitsfelder sollte eine Stellenanzeige für Ergotherapeuten nennen?
Die Schwerpunkte der Praxis, zum Beispiel Pädiatrie, Neurologie, Psychiatrie oder Geriatrie, dazu den Anteil an Hausbesuchen und Einrichtungsbesuchen. Ergotherapeuten wählen ihren Arbeitgeber häufig nach dem Fachgebiet aus.
Wie sollte die Bewerbung für Ergotherapeuten ablaufen?
In wenigen Minuten am Smartphone, ohne Anschreiben und ohne Lebenslauf. Die Praxis meldet sich danach innerhalb von 2 Tagen persönlich und vereinbart ein unverbindliches Kennenlernen.
Wie schnell lässt sich eine Stelle in der Ergotherapie besetzen?
In unseren Projekten kommen die ersten qualifizierten Bewerbungen meist 10 bis 14 Tage nach dem Start. Im Durchschnitt ist eine Stelle nach 25 bis 30 Tagen besetzt.

Sebastian Weidner ist Gründer und Geschäftsführer von Rankingdocs. Seit 2018 unterstützt er mit seinem Team Praxen, Kliniken und Unternehmen im Gesundheitswesen bei der Mitarbeiter- und Patientengewinnung.
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