Fachkräftemangel in der Physiotherapie: Wie Sie mit Social Recruiting langfristig qualifizierte Mitarbeiter gewinnen

Beitrag von Timo Ley
Beitrag von Timo Ley

Staatlich examinierter Physiotherapeut und Kundenberater bei Rankingdocs

Wer einen Termin beim Physiotherapeuten benötigt, der muss derweil lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Zum einen ist ein Rückgang der Absolventen zu verzeichnen, die sich für eine Ausbildung in der Physiotherapie entscheiden, zum anderen steigen immer mehr Therapeuten aus dem Beruf aus.

Doch was sind die Gründe für den Fachkräftemangel in der Physiotherapie? Und was bedeutet das für die Versorgung der Patienten?

“Leider können wir Ihnen den nächsten freien Termin erst in 4 Wochen anbieten.”

Dieser Umstand ist in vielen Physiotherapie-Praxen mittlerweile zu einem festen Bestandteil geworden. Auch in der Physiotherapie ist der Fachkräftemangel im Jahr 2023 deutlich spürbar, wodurch die Patientenversorgung in großen Teilen als gefährdet gilt.

Hinzu kommt der demografische Wandel, der die Gesellschaft zunehmend altern lässt und verstärkt chronische Erkrankungen hervorruft, die den Bedarf nach physiotherapeutischen Behandlungen weiter in den Fokus rücken. 

Zum einen beklagen Praxisinhaber den Mangel an qualifiziertem Fachpersonal, zum anderen fehlt es der Arbeitnehmerschaft an persönlicher sowie finanzieller Wertschätzung, sodass vielerorts Unzufriedenheit und Frustration herrscht.

Die Gründe für den Fachkräftemangel in der Physiotherapie liegen jedoch deutlich tiefer und wie es trotz der angespannten Situation möglich ist, für das eigene Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, erklärt der folgende Beitrag. 

Therapeuten arbeiten am Limit

Mit ihrer täglichen Arbeit leisten Physiotherapeuten einen essentiellen Beitrag im Bereich der Heilmittelversorgung und sind damit bei der Wiederherstellung der Gesundheit für viele Patienten unverzichtbar.

In der Realität sieht es für viele Therapeuten jedoch anders aus: Niedrige Löhne, die kaum zum Überleben reichen, bis hin zu Arbeitsbedingungen, die so schlecht sind, dass der gesamte Berufsstand auf dem Spiel steht.  

Grundproblematik der widrigen Umstände, stellen die vorgegebenen Zeiteinheiten der gesetzlichen Krankenkassen dar, die mit einer Behandlungszeit von 20 Minuten für physiotherapeutische Leistungen einen möglichst schnellen Erfolg am Patienten vorsehen.

Unter die vorgegebenen 20 Minuten fallen zudem Dokumentationsarbeiten, Therapieberichte für den zuständigen Arzt, An- und Ausziehen des Patienten und Befundaufnahme, was im Umkehrschluss bedeutet, dass für die reine Behandlungszeit lediglich wenige Minuten übrig bleiben.

Statt maßgeschneiderter Therapie und Zuwendung zum Patienten, fühlt sich die Tätigkeit für den Therapeuten eher wie Fließbandarbeit an, was wiederum mit einem enormen Stressfaktor verbunden ist. 

Zusätzlich ist die Anzahl der ausgestellten Verordnungen seit Jahren rückläufig, da durch die Budgetierung der Druck auf die Ärzte wächst immer weniger zu verordnen. 

Traumjob zu Albtraumlöhnen

Ein weiterer maßgeblicher Faktor, der den Fachkräftemangel in der Physiotherapie zuspitzt, sind die mangelhaften Verdienstaussichten mit drohender Altersarmut und nicht vorhandenen Aufstiegsmöglichkeiten. Die Hauptproblematik liegt vor allem in der Budgetierung der Krankenkassen für physiotherapeutische Leistungen, die leistungsorientierte Gehälter für den Therapeutenberuf kaum ermöglichen.

Nach Absolvierung der Berufsausbildung, die bis vor kurzer Zeit von den angehenden Physiotherapeuten noch finanziell selbst getragen werden musste, liegen die Einstiegsgehälter bei einer Vollzeitstelle oftmals bei nicht mehr als 2300 Euro brutto. Folglich starteten Physiotherapeuten über Jahrzehnte ihr Berufsleben mit einem Berg an Schulden bei gleichzeitig ausgezahlten Niedriglöhnen. 

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Fortbildungen als weiterer Kostentreiber

Zusätzlich zu den Ausbildungskosten, die durch den Therapeuten zuvor getragen werden mussten, kommen weitere finanzielle Aufwendungen in Fortbildungen wie beispielsweise Manuelle Lymphdrainage, Manuelle Therapie oder Bobath.

Die Kosten von mehreren tausend Euro für die Zertifikate müssen wiederum durch den Therapeuten selbst oder den Praxisinhaber getragen werden, wofür zusätzliche Urlaubstage benötigt werden.

Die anschließende Vergütung der Krankenkassen spiegelt nicht mal annähernd den Aufwand und den zeitlichen Rahmen der Fortbildungen wider, sodass Aufwand und Ertrag wie so oft im Berufsfeld der Physiotherapie in keinem Verhältnis zueinander stehen.

Deutschland als Schlusslicht

Autonomes Arbeiten in der Physiotherapie ? Fehlanzeige!

Im internationalen Vergleich ist Deutschland nach wie vor eines der wenigen Länder, in denen der Berufszweig der Physiotherapie über keinen akademisierten Standard verfügt. Das heißt im Umkehrschluss, dass Physiotherapeuten in den meisten anderen Ländern zum einen über einen höherwertigen Abschluss und zum anderen über einen Direktzugang zum Patienten verfügen. 

In Deutschland arbeitet der Therapeut weiterhin in völliger Abhängigkeit vom Arzt, der ausschließlich auf Basis der ausgestellten Heilmittelverordnung physiotherapeutische Behandlungen am Patienten durchführen darf.

Folglich beeinflusst dieser Zustand die Wertigkeit des Berufs maßgeblich und es bedarf einer grundlegenden Reform, um dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenwirken zu können sowie die Patientenversorgung langfristig zu garantieren. 

Veraltete Bewerbungsmethoden erschweren Situation bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften

Trotz der bereits beschriebenen Rahmenbedingungen, die den Fachkräftemangel in der Physiotherapie maßgeblich begünstigen, setzen Praxisunternehmer weiterhin auf veraltete Bewerbungsmethoden, um potenzielle Bewerber zu akquirieren.

Infolgedessen bleiben offene Vakanzen oftmals über viele Monate unbesetzt, sodass die Patientenversorgung an vielen Standorten gefährdet ist. 

Der sich weiter zuspitzende Fachkräftemangel in der Physiotherapie erfordert neben einer grundlegenden Verbesserung der Arbeitsbedingungen die Nutzung generationsübergreifender und barrierefreier Bewerbungsverfahren, um Bewerber erfolgreich anzuziehen, zu selektieren und zu qualifizieren.

Gute Konditionen für potenzielle Bewerber erweisen sich heutzutage als nutzlos, wenn weiterhin auf veraltete und komplizierte Bewerbungsverfahren gesetzt wird.

Zusätzlich findet die Mitarbeiterakquise häufig auf den falschen Plattformen wie beispielsweise Tageszeitungen oder gängigen Online-Jobportalen statt, welche die heutige Generation im Zeitalter von Social Media nicht mehr anspricht.  

Social Recruiting als “Gamechanger” in der Physiotherapie

Ein sinnvolles Konzept, welches sich bei der Personalgewinnung im Laufe der letzten Jahre zunehmend bedeutsamer geworden ist, ist das sogenannte Social Recruiting.

Hierbei nutzt man die Präsentation von Bild-und Videomaterial über Social Media wie beispielsweise Facebook, TikTok oder Instagram.

Die Verwendung der sozialen Medien für die Gewinnung neuer Fachkräften ist heutzutage in mehrfacher Hinsicht alternativlos.

Zum einen können mit Social Recruiting sowohl passive als auch aktive Bewerber erreicht werden, das heißt konkret, Sie erhöhen nicht nur die eigene Sichtbarkeit über die sozialen Netzwerke, sondern sprechen darüber hinaus mögliche Kandidaten an, die gar nicht unbedingt auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sind. 

Da das Konzept der digitalen Mitarbeitergewinnung über die sozialen Netzwerke mittlerweile kein Geheimnis mehr ist und derweil von vielen Unternehmen genutzt wird, muss man sich als Arbeitgeber in der individuellen Positionierung sowie methodisch von der Masse abgrenzen, um weiterhin Erfolge zu erzielen.

Experten-Tipp

Nutzen Sie die Meta Ad-Library, um herauszufinden, wie viele Physiotherapeuten in Ihrer Nähe digitale Maßnahmen zur Mitarbeitergewinnung ergreifen. Dadurch können Sie außerdem die Arbeitgeberpositionierung Ihrer Mitbewerber herausfinden.

Authentischer UGC statt Hochglanzvideos

Die meisten Unternehmen, die Social Recruiting betreiben, versuchen in der Regel professionell erstellte Hochglanzvideos für die Mitarbeitergewinnung einzusetzen, die allerdings weniger authentisch wirken und aus diesem Grund nicht mehr gut funktionieren.

Stattdessen ist es heutzutage sinnvoll, mit sogenannten UGC Videos (User generated content) zu arbeiten, bei denen der Inhalt vom Arbeitgeber und seinen Angestellten selbst dargestellt wird. 

UGC kann beispielsweise eine Situation in der täglichen Arbeit darstellen, an der alle Mitarbeiter teilhaben.

Es ist genauso gut möglich, einen berufsspezifischen Insider, der mit einer lustigen Reaktion aller Beschäftigten versehen ist, in ein UGC Video zu integrieren, sodass eine entspannte und lockere Arbeitsatmosphäre im eigenen Unternehmen vermittelt wird.

UGC vermittelt dem potenziellen Bewerber Authentizität und schafft gleichzeitig Identifikation mit dem Unternehmen.

Bewerber-Erlebnis schaffen mittels Chatbots

Aufgrund des Missverhältnis zwischen der knappen Ressource Arbeitnehmer und dem massiven Angebot an zu besetzenden Stellen, ist es ebenso wichtig, einen unkomplizierten sowie barrierefreien Bewerbungsprozess zu schaffen, der ohne zeitaufwendige Lebensläufe oder Anschreiben durchgeführt werden kann. 

Als generationsübergreifende Methode hat sich der sogenannte Chatbot als probates Mittel herausgestellt, um potenzielle Bewerber möglichst schnell und barrierefrei durch den Bewerbungsprozess zu führen.

Dieses automatisierte Dialogsystem führt den Bewerber durch eine Art Chatverlauf und befragt den Bewerber beispielsweise nach Qualifikationen, Erfahrungen, Interessen oder auch Wünschen an den zukünftigen Arbeitgeber. 

Zum einen werden dem Bewerber schnelle Kurzbewerbungen via Smartphone ermöglicht, auf der anderen Seite können durch den Einsatz des Chatbots erste Rückschlüsse gezogen werden, ob der Bewerber zum Unternehmen passt.

Der erste Eindruck zählt

Die anschließende Kontaktaufnahme sollte zudem durch den Arbeitgeber persönlich und nach Eingang der Bewerbung innerhalb von 2 Tagen erfolgen. 

Vereinbaren Sie zum Einstand ein unverbindliches Kennenlernen, ohne gleich ein Probearbeiten zu verlangen und sichern Sie dem Bewerber absolute Anonymität gegenüber seinem aktuellen Arbeitgeber zu. Zusätzlich zum bereits beschriebenen Social Recruiting Prozess ist es ebenso wichtig, die Arbeitgeberattraktivität sowie die Mitarbeiterbindung in den Fokus zu stellen. 

Als attraktiver Arbeitgeber überzeugen

Heben Sie sich als attraktiver Arbeitgeber vom üblichen Markt ab, indem Sie steuerliche Vorteile und staatliche Förderungen wie beispielsweise Fahrkostenzuschuss, Sachbezüge, Erholungsbeihilfen oder betriebliche Gesundheitsförderung nutzen .

Denken Sie zudem über regelmäßige Gehaltsanpassungen für Ihre Beschäftigten nach und würdigen Sie damit die täglichen Leistungen, die die Mitarbeiter für das Unternehmen erbringen.

Therapieren im 20-Minuten-Takt mag vielleicht für Ihre eigene Praxis den größten wirtschaftlichen Profit ergeben, allerdings bedeuten Arbeitstage mit einer Anzahl von mehr als 20 Patienten für Ihre Angestellten lediglich Stress und die Qualität der Behandlungen leidet massiv. 

Denken Sie darüber nach, die Behandlungszeiten auf 30 Minuten anzupassen, um zum einen Ihre Beschäftigten zu entlasten und zum anderen den Patienten eine verbesserte Behandlungsqualität zu ermöglichen.

Bieten Sie Ihren Angestellten und Patienten die Möglichkeit, aktive Therapie in die Behandlung zu integrieren, indem Sie medizinische Trainingsgeräte in der Praxis zur Verfügung stellen. 

Eine möglichst durchgehend besetzte Rezeption, die den Erstkontakt zu den Patienten pflegt und sich um die Dokumentation sowie Terminkoordinierung kümmert, entlastet die Therapeuten mit zeitaufwendigen Nebentätigkeiten.

Darüber hinaus sind beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle für die Therapeuten eine attraktive Möglichkeit, um Berufliches und Privates in Einklang zu bringen. Fachkräfte in der Physiotherapie sind ein wertvolles Gut, die durch die intensive und teils jahrelange Betreuung des Patienten voller Empathie stecken und insbesondere großen Wert auf ein funktionierendes Team, Wertschätzung und Zusammenhalt legen. 

Abschließend lässt sich sagen, dass im Zeitalter von Social Media die Nutzung von Social Recruiting in der Mitarbeitergewinnung alternativlos ist, um auch in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. 

Social Recruiting befindet sich in einem stetigen Entwicklungsprozess und es kommt insbesondere darauf an, die richtige Methodik einzusetzen, um der Personalproblematik in der Physiotherapie langfristig entgegenwirken zu können.

Durch die Veränderung zu einem Arbeitnehmermarkt, stehen die Unternehmen in der Pflicht, ihre Bewerbungsprozesse anzupassen und sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. 

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