
- Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie hat strukturelle Ursachen: enger Zeittakt, niedrige Vergütung, teure Fortbildungen und fehlender Direktzugang zum Patienten.
- Die meisten Physiotherapeuten sind fest angestellt und lesen keine Stellenanzeigen, deshalb erreichen Tageszeitung und Jobportale nur einen kleinen Teil der Kandidaten.
- Praxen haben drei Wege zu neuen Mitarbeitern: einen eigenen Bewerberpool über Social Recruiting, die Direktvermittlung und ein durchgängiges Personalmarketing.
- Ob Bewerber zusagen und bleiben, hängt von den Arbeitsbedingungen ab, zum Beispiel von längeren Behandlungszeiten, einer besetzten Rezeption und Zusatzleistungen.
Wer einen Termin beim Physiotherapeuten braucht, wartet in vielen Regionen mehrere Wochen. Es beginnen weniger junge Menschen die Ausbildung, und gleichzeitig verlassen erfahrene Therapeuten den Beruf. Der demografische Wandel erhöht den Bedarf zusätzlich, weil eine älter werdende Gesellschaft mehr chronische Erkrankungen und damit mehr physiotherapeutische Behandlungen mit sich bringt.
Praxisinhaber finden kaum qualifiziertes Personal, und viele angestellte Therapeuten vermissen persönliche und finanzielle Wertschätzung. Die folgenden Abschnitte erklären die Ursachen des Fachkräftemangels in der Physiotherapie und zeigen, wie Sie trotz der angespannten Lage Mitarbeiter für Ihre Praxis gewinnen.
Therapeuten arbeiten am Limit
Physiotherapeuten sind ein fester Teil der Heilmittelversorgung, und viele Patienten sind für ihre Genesung auf sie angewiesen. Der Arbeitsalltag passt häufig nicht zu dieser Bedeutung. Niedrige Löhne und ein enger Zeittakt belasten den Berufsstand seit Jahren.
Ein Kern des Problems sind die Zeitvorgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Für eine physiotherapeutische Behandlung sind in der Regel 20 Minuten vorgesehen. In diese Zeit fallen auch die Dokumentation, Therapieberichte für den verordnenden Arzt, das An- und Ausziehen des Patienten und die Befundaufnahme. Für die eigentliche Behandlung bleiben oft nur wenige Minuten.
Viele Therapeuten empfinden ihre Arbeit dadurch als Fließbandarbeit und stehen unter dauerhaftem Zeitdruck. Für eine individuelle Therapie und für die Zuwendung zum Patienten bleibt wenig Raum.
Traumjob zu Albtraumlöhnen
Die Verdienstaussichten verschärfen den Fachkräftemangel in der Physiotherapie. Die Vergütung physiotherapeutischer Leistungen durch die Krankenkassen ist budgetiert, was leistungsgerechte Gehälter erschwert. Aufstiegsmöglichkeiten gibt es in den meisten Praxen kaum, und viele Therapeuten sorgen sich um ihre Altersvorsorge.
Hinzu kommt die Ausbildung, die angehende Physiotherapeuten lange Zeit selbst bezahlen mussten. Über Jahrzehnte starteten Berufsanfänger deshalb mit Schulden und einem niedrigen Einstiegsgehalt ins Arbeitsleben. Das prägt den Ruf des Berufs bis heute.
Fortbildungen als weiterer Kostentreiber
Nach der Ausbildung folgen Fortbildungen, zum Beispiel in Manueller Lymphdrainage, Manueller Therapie oder Bobath. Die Zertifikate kosten mehrere tausend Euro, die der Therapeut oder der Praxisinhaber trägt. Oft gehen dafür zusätzlich Urlaubstage verloren.
Die Krankenkassen vergüten die so erworbenen Leistungen nur wenig höher. Aufwand und Ertrag stehen aus Sicht vieler Therapeuten in keinem angemessenen Verhältnis. Praxen, die Fortbildungskosten und Freistellung übernehmen, haben deshalb ein greifbares Argument im Bewerbungsgespräch.
Deutschland als Schlusslicht
Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den wenigen Ländern, in denen die Physiotherapie nicht durchgängig akademisiert ist. In den meisten anderen Ländern haben Physiotherapeuten einen Hochschulabschluss und dürfen Patienten ohne ärztliche Verordnung behandeln. Dieser Direktzugang fehlt hierzulande.
In Deutschland behandeln Therapeuten ausschließlich auf Grundlage einer ärztlichen Heilmittelverordnung. Diese Abhängigkeit mindert die Eigenständigkeit und das Ansehen des Berufs. Eine Reform an dieser Stelle würde den Beruf aufwerten, sie liegt aber außerhalb des Einflusses einer einzelnen Praxis.
Veraltete Bewerbungsmethoden erschweren die Suche nach qualifizierten Fachkräften
Auf die Rahmenbedingungen haben Praxisinhaber wenig Einfluss, auf die eigene Personalsuche dagegen viel. Viele Praxen suchen weiterhin über Anzeigen in der Tageszeitung oder über allgemeine Online-Jobportale. Dort erreichen sie nur Therapeuten, die gerade aktiv suchen, und das sind wenige. Offene Stellen bleiben deshalb oft über Monate unbesetzt.
Der zweite Schwachpunkt ist das Bewerbungsverfahren selbst. Wer Anschreiben und Lebenslauf verlangt und sich erst nach Wochen meldet, verliert Bewerber an Praxen mit einfacheren Abläufen. Gute Konditionen helfen wenig, wenn der Weg zur Bewerbung kompliziert ist. Was eine unbesetzte Stelle Ihre Praxis kostet, können Sie mit unserem Vakanzkostenrechner überschlagen.
Drei Wege zu neuen Physiotherapeuten
Aus unserer Arbeit mit Praxen und Therapiezentren kennen wir drei Wege, die sich je nach Ausgangslage eignen und miteinander kombinieren lassen.
- Eigener Bewerberpool: Ihre Praxis spricht fortlaufend Physiotherapeuten aus der Region an, auch fest angestellte, die keine Stellenanzeigen lesen. Die Bewerber werden vorqualifiziert und lassen sich später erneut ansprechen, wenn eine Stelle frei wird. Social Recruiting ist der wichtigste Kanal dafür.
- Direktvermittlung: Bei akutem Bedarf, etwa nach einer Kündigung, erhalten Sie Kandidatenvorschläge aus unserem bundesweiten Kandidaten-Pool. Das ist der schnellste Weg.
- Personalmarketing aus einer Hand: Arbeitgeber-Imagefilm, Social Media, Employer Branding und Karriereseite zeigen Ihre Praxis als Arbeitgeber und stützen die beiden anderen Wege.
Die nächsten Abschnitte beschreiben, worauf es beim Aufbau des eigenen Bewerberpools über Social Recruiting ankommt.
Social Recruiting in der Physiotherapie
Beim Social Recruiting erscheinen Bilder und Videos Ihrer Praxis als Anzeigen in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder TikTok. Der Vorteil liegt in der Zielgruppe. Sie erreichen aktiv suchende Therapeuten und zusätzlich jene, die fest angestellt sind und sich einen Wechsel grundsätzlich vorstellen können. Da die meisten Physiotherapeuten in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, ist diese zweite Gruppe die größere.
Inzwischen nutzen viele Arbeitgeber diesen Kanal. Eine Anzeige mit Stockfoto und dem Satz „Wir suchen Verstärkung“ fällt kaum noch auf. Praxen brauchen deshalb eine klare Positionierung als Arbeitgeber und Inhalte, die den tatsächlichen Arbeitsalltag zeigen.
Professionell produzierte Kurzvideos
Viele Praxen werben mit statischen Bildern oder selbst gedrehten Handyvideos, die im Feed der sozialen Netzwerke schnell untergehen. Besser funktionieren professionell produzierte Kurzvideos (Reels), für die Inhaber und Team bei einem Dreh in der Praxis gefilmt werden. Gute Bildqualität, klarer Ton und eine durchdachte Bildsprache erhöhen die Aufmerksamkeit, ohne dass das Video gestellt wirkt.
Als Motiv eignet sich eine Situation aus dem Arbeitsalltag, an der das ganze Team beteiligt ist. Auch ein Insider aus dem Therapeutenalltag mit einer humorvollen Reaktion der Kollegen kommt gut an und vermittelt eine lockere Arbeitsatmosphäre. Bewerber bekommen so einen realistischen Eindruck vom Arbeitsplatz und können einschätzen, ob sie ins Team passen.
Bewerber-Erlebnis schaffen mit einer einfachen Bewerbung
Therapeuten können zwischen vielen offenen Stellen wählen. Eine Bewerbung sollte deshalb in wenigen Minuten am Smartphone möglich sein, ohne Anschreiben und ohne Lebenslauf.
Bewährt hat sich eine automatisierte Vorqualifizierung im Dialog. Der Bewerber beantwortet einige Fragen zu Qualifikation, Berufserfahrung, Fortbildungen und Wünschen an den neuen Arbeitgeber. Die Praxis erhält dadurch eine Kurzbewerbung mit den wichtigsten Angaben und kann früh einschätzen, ob der Kandidat passt.
Der erste Eindruck zählt
Melden Sie sich persönlich und innerhalb von 2 Tagen nach Eingang der Bewerbung. Vereinbaren Sie zunächst ein unverbindliches Kennenlernen und verlangen Sie nicht sofort ein Probearbeiten. Sichern Sie dem Bewerber außerdem Vertraulichkeit gegenüber seinem aktuellen Arbeitgeber zu, denn die meisten Kandidaten bewerben sich aus einer festen Anstellung heraus.
Als attraktiver Arbeitgeber überzeugen
Recruiting bringt Bewerber in die Praxis. Ob sie zusagen und bleiben, hängt von den Arbeitsbedingungen ab. Diese Stellschrauben haben Sie selbst in der Hand:
- Zusatzleistungen: Fahrtkostenzuschuss, Sachbezüge, Erholungsbeihilfen oder betriebliche Gesundheitsförderung sind steuerlich begünstigt und kommen bei Ihren Mitarbeitern weitgehend netto an.
- Gehalt: Regelmäßige Gehaltsanpassungen würdigen die tägliche Leistung und beugen einem Wechsel aus finanziellen Gründen vor.
- Behandlungszeit: Der 20-Minuten-Takt mag wirtschaftlich am meisten einbringen. Mehr als 20 Patienten am Tag bedeuten für Ihre Therapeuten aber Dauerstress, und die Behandlungsqualität leidet. Ein Takt von 30 Minuten entlastet das Team und verbessert die Behandlung.
- Aktive Therapie: Mit medizinischen Trainingsgeräten in der Praxis können Therapeuten aktive Therapie in die Behandlung einbauen.
- Rezeption: Eine möglichst durchgehend besetzte Rezeption übernimmt Terminkoordination und Dokumentation und nimmt den Therapeuten zeitraubende Nebentätigkeiten ab.
- Arbeitszeit: Flexible Arbeitszeitmodelle erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Physiotherapeuten begleiten Patienten oft über Monate oder Jahre und legen großen Wert auf ein funktionierendes Team und auf Wertschätzung im Alltag. Praxen, die das bieten und nach außen zeigen, sind auf dem Arbeitnehmermarkt im Vorteil.
Wie Rankingdocs Physiotherapie-Praxen unterstützt
Rankingdocs arbeitet seit 2018 ausschließlich für das Gesundheitswesen, darunter Physiotherapie-Praxen und Therapiezentren. Wir bauen für Sie einen eigenen Bewerberpool auf, vermitteln bei akutem Bedarf Kandidaten aus unserem bundesweiten Pool und übernehmen das Personalmarketing vom Imagefilm bis zur Karriereseite. Die ersten qualifizierten Bewerbungen kommen in der Regel 10 bis 14 Tage nach Projektstart, und im Durchschnitt ist eine Stelle nach 25 bis 30 Tagen besetzt. Einzelheiten finden Sie auf der Seite zur Mitarbeitergewinnung.
Häufige Fragen
Warum gibt es in der Physiotherapie einen Fachkräftemangel?
Es beginnen weniger Menschen die Ausbildung, und erfahrene Therapeuten verlassen den Beruf. Gründe sind der enge Zeittakt, die niedrige Vergütung, hohe Fortbildungskosten und die Abhängigkeit von der ärztlichen Verordnung.
Wie erreichen Praxen Physiotherapeuten, die nicht aktiv auf Jobsuche sind?
Über Social Recruiting. Anzeigen mit Bildern und Videos der Praxis erscheinen in sozialen Netzwerken und erreichen auch fest angestellte Therapeuten, die sich einen Wechsel grundsätzlich vorstellen können.
Wie sollte die Bewerbung für Physiotherapeuten ablaufen?
Die Bewerbung sollte in wenigen Minuten am Smartphone möglich sein, ohne Anschreiben und ohne Lebenslauf. Die Praxis meldet sich danach persönlich innerhalb von 2 Tagen und vereinbart ein unverbindliches Kennenlernen.
Womit überzeugt eine Physiotherapie-Praxis als Arbeitgeber?
Mit längeren Behandlungszeiten, einer durchgehend besetzten Rezeption, flexiblen Arbeitszeiten, regelmäßigen Gehaltsanpassungen und steuerlich begünstigten Zusatzleistungen.
Wie schnell lässt sich eine Stelle in der Physiotherapie besetzen?
Bei unseren Projekten kommen die ersten qualifizierten Bewerbungen in der Regel 10 bis 14 Tage nach Projektstart. Im Durchschnitt ist eine Stelle nach 25 bis 30 Tagen besetzt.

Sebastian Weidner ist Gründer und Geschäftsführer von Rankingdocs. Seit 2018 unterstützt er mit seinem Team Praxen, Kliniken und Unternehmen im Gesundheitswesen bei der Mitarbeiter- und Patientengewinnung.


