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Übersicht: GKV-Reform und Patientengewinnung
Am 29. April 2026 hat das Bundeskabinett das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. In der öffentlichen Berichterstattung geht es fast ausschließlich um eine Frage: Was kostet die Reform die Versicherten?
Für Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber ist das die falsche Frage. Denn die Reform verändert nicht nur die Beiträge der Patienten. Sie verändert die wirtschaftliche Grundlage, auf der Arzt- und Zahnarztpraxen arbeiten.
Dieser Artikel ordnet ein, was im Gesetzentwurf steht, was sich konkret für Praxen ändert und welche strategische Konsequenz sich daraus ergibt. Stand der Informationen ist der Regierungsentwurf vom 29. April 2026. Änderungen im parlamentarischen Verfahren sind bis zur endgültigen Verabschiedung möglich.
Hintergrund der Reform ist eine Finanzlücke, die ohne Gegensteuern weiter wachsen würde. Für das Jahr 2027 wird mit einem Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung von rund 15 Milliarden Euro gerechnet, bis 2030 mit bis zu 40 Milliarden Euro. Das Gesetz soll diese Entwicklung stoppen und ein Einsparvolumen von rund 16 Milliarden Euro erreichen, damit die Zusatzbeiträge nicht weiter steigen.
Das Grundprinzip, das Gesundheitsministerin Nina Warken formuliert hat, ist denkbar einfach: Die Ausgaben sollen sich künftig in allen Leistungsbereichen an den Einnahmen orientieren. Übersetzt heißt das, dass das Wachstum der Vergütungen gebremst wird.
Der Gesetzentwurf befindet sich aktuell in der parlamentarischen Beratung. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Die Verabschiedung wird noch vor der Sommerpause angestrebt, der Großteil der Regelungen soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind vor allem zwei Punkte relevant.
Erstens werden die jährlichen Vergütungsanstiege gedeckelt. Sie orientieren sich künftig an der tatsächlichen Kostensteigerung im jeweiligen Bereich oder an der Grundlohnrate, wobei der niedrigere Wert gilt. In den Jahren 2027 bis 2029 kommt zusätzlich ein Abschlag von einem Prozentpunkt hinzu. Im Klartext: Vergütungssteigerungen, die in den vergangenen Jahren noch möglich waren, fallen künftig deutlich geringer aus oder ganz weg.
Zweitens sollen bestimmte Leistungen, die bisher außerhalb der Honorarbudgets vergütet wurden, gestrichen werden. Betroffen sind unter anderem Vergütungsregelungen, die auf dem Terminservice- und Versorgungsgesetz beruhen. Leistungen, die heute noch extrabudgetär und damit ohne Mengenbegrenzung honoriert werden, fallen damit zurück in die budgetierte Vergütung.
Beides läuft auf dieselbe Wirkung hinaus. Die Vergütung pro Behandlung wird enger, die Möglichkeit, über mehr Leistung mehr Honorar zu erzielen, wird kleiner.
Zahnarztpraxen trifft die Reform an einer sehr konkreten Stelle: dem Zahnersatz.
Der Festzuschuss der Krankenkassen für die Regelversorgung sinkt von 60 auf 50 Prozent. Damit kehrt er auf das Niveau zurück, das vor Oktober 2020 galt. Auch die Bonusregelungen sinken entsprechend: Wer das Bonusheft fünf Jahre lückenlos führt, erhält künftig 60 statt 70 Prozent, nach zehn Jahren 65 statt 75 Prozent. Das Bonussystem selbst bleibt bestehen, ebenso die Härtefallregelung, nach der Versicherte mit geringem Einkommen weiterhin die volle Regelversorgung erstattet bekommen.
Für die Praxis bedeutet das: Der Eigenanteil der Patientinnen und Patienten beim Zahnersatz steigt. Behandlungen, die ohnehin erklärungsbedürftig und beratungsintensiv sind, werden für Patienten teurer und damit erklärungsbedürftiger.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt für kieferorthopädisch tätige Praxen: Ab 2028 sollen kieferorthopädische Leistungen zulasten der GKV nur noch von Fachzahnärztinnen und Fachzahnärzten für Kieferorthopädie abgerechnet werden können, die Vergütung wird auf Pauschalen umgestellt.
Und auch für Zahnärzte gilt die allgemeine Vergütungsbremse: Die Honorarsteigerungen werden, wie in allen Leistungsbereichen, an die Einnahmenentwicklung gekoppelt.
Fasst man die einzelnen Maßnahmen zusammen, ergibt sich ein klares Bild.
Die Einnahmen pro GKV-Patient werden für viele Praxen real sinken oder bestenfalls stagnieren. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter: Personal, Miete, Material und Energie kennen nur eine Richtung. Die Schere zwischen dem, was eine Praxis einnimmt, und dem, was sie ausgibt, öffnet sich also weiter.
Besonders betroffen sind Praxen, die wirtschaftlich fast ausschließlich auf einem Fundament stehen: GKV-Regelversorgung, Laufkundschaft und Überweisungen. Wer keine eigene Steuerung über seinen Patientenstrom und seinen Leistungsmix hat, ist auf eine Honorarentwicklung angewiesen, die politisch gerade aktiv ausgebremst wird.
Das ist die eigentliche Botschaft der Reform für Praxen. Sie ist kein einmaliges Ereignis, das man aussitzt. Sie ist Teil eines Trends, der absehbar anhält. Wer in den kommenden Jahren wirtschaftlich stabil bleiben will, kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass das System die Auslastung von allein liefert.
An dieser Stelle entsteht in vielen Praxen ein Reflex: mehr Patienten, mehr Termine, mehr Behandlungszeit. Das ist nachvollziehbar, aber es ist der falsche Hebel. Mehr arbeiten löst kein strukturelles Margenproblem, es verschiebt es nur auf die Belastungsgrenze des Teams.
Die bessere Frage ist eine andere: Wie bringt eine Praxis gezielt die richtigen Patienten zu sich?
Nicht mehr Patienten. Die richtigen. Patienten, die zu den Leistungen kommen, die eine Praxis fachlich anbieten möchte und die wirtschaftlich tragfähig sind. Bei Zahnärzten sind das etwa Prophylaxe, hochwertiger Zahnersatz, Implantologie oder Aligner-Behandlungen. Bei Ärzten je nach Ausrichtung Vorsorge, Selbstzahlerleistungen oder bestimmte Schwerpunktbehandlungen.
Das Ziel ist nicht, mehr zu arbeiten, sondern den Honorarumsatz pro Patient strategisch zu steigern, ohne die Behandlungszeit auszuweiten. Eine Praxis, die in genau den Bereichen ausgelastet ist, die fachlich gewünscht und wirtschaftlich sinnvoll sind, ist deutlich unabhängiger von der Entwicklung der GKV-Honorare.
Genau das lässt sich heute steuern. Patientengewinnung ist kein Zufallsprodukt mehr, sondern ein planbarer Prozess.
In der Praxis haben sich vor allem drei Kanäle bewährt. Sie wirken am stärksten, wenn sie aufeinander abgestimmt sind.
Wer „Implantat Kosten“, „Zahnersatz Beratung“ oder „Hautcheck in der Nähe“ bei Google eingibt, hat eine konkrete Absicht. Über gezielte Google-Kampagnen lässt sich eine Praxis genau in dem Moment sichtbar machen, in dem ein Patient aktiv nach einer Behandlung sucht. Das ist die Patientengruppe mit der höchsten Abschlusswahrscheinlichkeit, weil der Bedarf bereits besteht. Entscheidend ist die saubere Auswahl der Suchbegriffe und eine Landingpage, die die Anfrage auch wirklich in einen Termin überführt.
Nicht jeder Patient sucht aktiv. Viele wissen gar nicht, dass eine Behandlung für sie infrage kommt. Hier setzt Social Media an. Über Instagram und Facebook lässt sich Aufmerksamkeit für Leistungen schaffen, an die Patienten vorher nicht gedacht haben, von ästhetischen Behandlungen bis zu Vorsorgeangeboten. Social Media füllt die Nachfrage-Pipeline für die Zukunft, während Suchmaschinenmarketing die aktuelle Nachfrage abschöpft.
Gerade bei beratungsintensiven Behandlungen mit hohem Eigenanteil ist die größte Hürde nicht der Preis, sondern fehlendes Vertrauen und fehlendes Verständnis. Analoge Formate wie Patienten-Infoabende schließen genau diese Lücke. Sie geben Patienten Raum, eine Behandlung in Ruhe zu verstehen, und sie schaffen einen persönlichen Eindruck von der Praxis. Bei Leistungen wie Implantologie oder umfangreichem Zahnersatz ist das oft der Faktor, der über die Entscheidung entscheidet.
Drei konkrete Schritte sind sinnvoll, unabhängig von der Fachrichtung.
Erstens: Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihren Leistungsmix. Welche Behandlungen tragen wirtschaftlich, welche möchten Sie fachlich ausbauen, wo ist Kapazität frei?
Zweitens: Prüfen Sie ehrlich, wie Ihre Praxis heute neue Patienten gewinnt. Wenn die Antwort „über Empfehlungen und Laufkundschaft“ lautet, haben Sie keinen steuerbaren Kanal, sondern eine Hoffnung.
Drittens: Bauen Sie Patientengewinnung als Prozess auf, nicht als Aktion. Eine einmalige Kampagne verpufft. Wirksam wird Patientengewinnung erst, wenn Strategie, Umsetzung und laufende Optimierung zusammenkommen.
Die GKV-Reform 2026 ist kein vorübergehendes Ärgernis. Sie ist ein deutliches Signal, dass die wirtschaftliche Sicherheit allein aus der GKV-Regelversorgung abnimmt. Praxen, die das früh erkennen, gewinnen einen echten Vorsprung. Denn sie steuern, welche Patienten zu welchen Leistungen kommen, statt darauf zu warten, wer zufällig durch die Tür kommt.
Patientengewinnung ist damit keine Marketing-Spielerei mehr. Sie ist betriebswirtschaftliche Vorsorge.
Wenn Sie Ihre Praxis unabhängiger von der GKV-Honorarentwicklung aufstellen möchten, sprechen wir darüber. In einem kostenlosen Erstgespräch sehen wir uns Ihre konkrete Situation an und zeigen Ihnen, welche Wege der Patientengewinnung für Ihre Praxis sinnvoll sind.
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